Wirtschaftlichkeit und Förderung

Kostete eine Anlagenleistung von 10 kWp im Jahr 2000 noch umgerechnet circa 100.000 EUR, so ist für diese Summe heute bereits eine Anlage mit über 100 kWp zu bekommen – und zwar in einer deutlich besseren Qualität. Das zeigt, welche steile Lernkurve die Photovoltaik in den letzten Jahren vollzogen hat.

Investitionskosten

Die Investitionskosten setzen sich zusammen aus den Kosten

  • der PV-Module,
  • der Wechselrichter,
  • der Unterkonstruktion,
  • des Netzanschlusses (z. B. Ertüchtigung des Zählerschranks),
  • einer möglicherweise notwendigen Zertifizierung und
  • der Personalkosten für die Planung und Installation (inkl. Einrüstung, Sicherung etc.) der Anlage.

In diesem Fall ist auch von sog. Turn-Key-Kosten die Rede. Mit der Größe der Dachfläche steigen die potenziell mögliche installierbare Anlagenleistung und damit auch die Investitionskosten. Allerdings profitieren größere Anlagen auch von Skaleneffekten, was zu geringeren spezifischen Investitionskosten [€/kWp] führt. Folgende spezifische Kosten sind aktuell für eine Aufdachanlage zu erwarten (Stand März 2022, Angaben in netto):

  • 30 kWp            1.300 €/kWp
  • 100 kWp          950 €/kWp
  • 300 kWp          850 €/kWp
  • 750 kWp          750 €/kWp
  • 2.000 kWp       680 €/kWp

Für eine PV-Anlage mit 300 kWp ist demnach mit Investitionskosten in Höhe von ca. 255.000 EUR zu rechnen.

Die tatsächlichen Kosten können je nach den lokalen Begebenheiten des Gebäudes - wie z. B. Gebäudehöhe, Dachtyp /-qualität, Netzinfrastruktur etc. - nach oben und unten variieren.

Laufende Kosten

Neben den Investitionskosten sind auf der Ausgabenseite auch die laufenden Kosten von Bedeutung.

Diese setzen sich vor allem aus Aufwendungen für den Betrieb zusammen. Beispiele sind hierbei Ausgaben für Dienstleister (Direktvermarktung oder Anlagenüberwachung), eingesetzte Software (Energiemanagement, Monitoring, Energierechtsmanagement) oder auch Arbeitszeit von Mitarbeitern (z. B. für die Einhaltung der Meldepflichten). Für die Betriebskosten wird häufig 1 % der Gesamtinvestitionskosten pro Jahr angesetzt.

Einen weiteren Kostenpunkt stellt die Wartung dar. Hierzu zählen Vor-Ort-Besichtigungen, um Module, Verkabelung und Leistungselektronik auf mögliche Schäden zu kontrollieren, oder auch die Fernwartung. Mit Hilfe von Wartungsverträgen kann dieser Kostenbestandteil gut planbar in die Kostenrechnung mit einbezogen werden. Für die Wartungskosten sind 0,5 % der Gesamtinvestitionskosten pro Jahr ein erster Orientierungswert.

Ebenfalls zu den laufenden Kosten zählen Ausgaben für Versicherungen und Zählermiete. Eine umfassende Reinigung der PV-Module kann je nach Standort häufig, selten oder kaum notwendig sein. Für die Reinigung können daher Rücklagen gebildet werden, die für sonstige nicht von Garantien oder Versicherungen gedeckte Ausgaben aufgestockt werden können (z. B. Wechselrichtertausch nach Ablauf der Garantie). Für die Einbeziehung der sonstigen laufenden Kosten sowie Rücklagen ist ein Wert von 0,5 % der Investitionskosten pro Jahr denkbar. 

In Summe können die laufenden Kosten daher mit 1,5 bis 2 % der Investitionskosten angenommen werden.

Beispiel: Für eine PV-Anlage mit einer Investitionssumme von 150.000 Euro ergeben sich ca. 1.500 Euro pro Jahr im Rahmen des Betriebs. Fernwartung und Vor-Ort-Prüfung können mit 750 Euro pro Jahr berücksichtigt werden. Um Ausgaben für Versicherungen, Reinigung und sonstige Rücklagen mit einzubeziehen, werden weitere 750 Euro pro Jahr angesetzt. Damit summieren sich die laufenden Kosten in diesem Beispiel auf 3.000 Euro pro Jahr.

Ebenfalls in die Wirtschaftlichkeitsrechnung mit einbezogen werden ggf. Ausgaben für die reduzierte EEG-Umlage auf Eigenverbrauch, welche jedoch nicht direkt zu den laufenden Kosten zählen.

Hinweis: Dieser Bestandteil der Ausgaben fällt im Rahmen der kommenden EEG-Novellierung 2022 ggf. weg!

Positiv ist:  Nicht alle Kostenbestandteile steigen gleich stark mit der Anlagengröße an. So wird etwa eine für das Monitoring oder das Energiemanagement eingesetzte Software nicht doppelt so teuer, wenn die Anlage doppelt so groß dimensioniert wird. Auch der zeitliche Aufwand für die Erfüllung der Meldepflichten oder Aufwendungen die Fernwartung richten sich in der Regel nicht nach der Anlagengröße. Kosten einer Reinigung, einer Vor-Ort-Wartung oder auch die Prämien einer separaten PV-Versicherung können jedoch mit der Anlagengröße ansteigen.

Eigenverbrauch und Lastprofil

Der Strombedarf und das Lastprofil haben signifikanten Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage. Wann und wie viel Strom vom Unternehmen benötigt wird, wirkt sich daher auf die beiden Bewertungsgrößen „Eigenverbrauch“ und „Autarkie“ aus. Der Eigenverbrauch erlaubt Rückschlüsse darauf, wie viel Solarstrom vor Ort genutzt und wie viel überschüssiger Solarstrom eingespeist wird. Die Autarkiequote beziffert hingegen, um wie viel der Strombezug reduziert bzw. wie hoch die Strombezugskostenersparnis durch die Nutzung des Solarstroms ausfallen wird.

Von Vorteil sind daher vor allem Verbrauchsprofile, die tagsüber und ggf. sogar am Wochenende einen Großteil des Stroms benötigen, z. B. Produktionsanlagen, Büros und Kühlhäuser. Falls möglich ist es zudem sinnvoll, bestimme Verbrauchseinrichtungen so zu steuern, dass der Strom möglichst tagsüber verbraucht wird, z. B. Ladevorgänge von Elektroautos und Klimaanlagen.

Es gibt jedoch Gewerbetypen, bei welchen das Lastprofil und die Solarstromerzeugung nicht ideal zueinander passen, da dort vor allem abends oder nachts der Strombedarf hoch ist, z. B. Kinos, Theatern, Gastronomiebetrieben oder auch in Betrieben mit Nachtschicht oder mit großen Serverkapazitäten. In diesen Fällen ist der Einsatz von gewerblichen, stationären Batteriespeichern eine Möglichkeit, den Solarstrom zeitlich versetzt zu nutzen.

Im gewerblichen Kontext ist eine PV-Anlage meistens umso wirtschaftlicher, je höher die Werte für Eigenverbrauch und Autarkie sind.

Förderung

Stromvergütung im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, EEG

Für Unternehmen, die in eine Photovoltaikanlage investieren wollen, bietet das EEG eine der wichtigsten Entscheidungsgrundlagen. Für die Art und Höhe der Vergütung wird innerhalb des EEG die installierte Nennleistung der PV-Anlage in Kilowatt-Peak [kWp] herangezogen. Folgende Grenzen sind für Aufdachanlagen von besonderem Interesse:

  • Installierte Nennleistung bis 10 kWp:​​​​​​​
    • Höchste Vergütungssätze der Einspeisevergütung.
    • Keine EEG-Umlage auf selbst verbrauchten Solarstrom.
       
  • Installierte Nennleistung 10 kWp bis 30 kWp:
    • Verringerung der Vergütungsätze der Einspeisevergütung.
    • Keine EEG-Umlage auf selbst verbrauchten Solarstrom.
       
  • Installierte Nennleistung 40 kWp bis 100 kWp:
    • Verringerung der Vergütungssätze der Einspeisevergütung.
    • Abführen einer reduzierten EEG-Umlage von 40 % der aktuell gültigen EEG-Umlage auf selbst verbrauchten Solarstrom (Hinweis: fällt perspektivisch ab 2022 weg)
       
  • Installierte Nennleistung 100 kWp bis 300 kWp:
    • Verringerung der Vergütungssätze im Marktprämienmodell.
    • Verpflichtende Direktvermarktung.
    • Abführen einer reduzierten EEG-Umlage von 40 % der aktuell gültigen EEG-Umlage auf selbst verbrauchten Solarstrom.
       
  • Installierte Nennleistung 300 bis 750 kWp
    • Wahl zwischen zwei Vergütungsoptionen:
      • Teilnahme an einer EEG-Ausschreibung für das zweite Segment, der Eigenverbrauch ist nicht möglich.
      • oder Eigenverbrauch mit Überschusseinspeisung, allerdings werden nur 50 % des eingespeisten Stroms über das Marktprämienmodell vergütet.
    • Verpflichtende Direktvermarktung.
    • Abführen einer reduzierten EEG-Umlage von 40 % der aktuell gültigen EEG-Umlage auf selbst verbrauchten Solarstrom.
       
  • Installierte Nennleistung ab 750 kWp:
    • Verpflichtende Teilnahme an einer EEG-Ausschreibung.
    • Der Eigenverbrauch ist nicht möglich.

Der Eigenverbrauch und somit die reduzierte EEG-Umlage setzt voraus, dass Stromerzeuger und Stromverbraucher die gleiche Person sind (Personenidentität) und der Strom nicht über das öffentliche Netz geleitet wird. Verbraucht beispielsweise eine Kantine, die von einem externen Unternehmen betrieben wird, ebenfalls den Solarstrom, so muss diese Strommenge zunächst eichrechtskonform gemessen bzw. abgegrenzt und dafür anschließend die volle EEG-Umlage abgeführt werden. Es liegt kein Eigenverbrauch vor. In einem solchen Fall ist auch von „Stromlieferung an Dritte“ oder „Direktlieferung“ die Rede. Damit einher gehen auch weitere Pflichten, wie z. B. die Stromkennzeichnungspflicht. Bei der Abwicklung können Dienstleister den Anlagenbetreiber unterstützen.

Einspeisevergütung

Photovoltaikanlagen mit einer installierten Leistung bis 100 kWp erhalten für den Strom, der in das öffentliche Stromnetz eingespeist wird, eine feste Einspeisevergütung pro Kilowattstunde [kWh]. Die Vergütung richtet sich nach der installierten Leistung, dem Anlagentyp und dem Datum der Inbetriebnahme. Der Anspruch auf Einspeisevergütung für PV-Strom besteht für einen Zeitraum von 20 Jahren zzgl. den Rest des Inbetriebnahme-Jahres.

Vergütungssätze in Cent/kWh - Feste Einspeisevergütung:

Vergütungssätze in Cent/kWh - Feste Einspeisevergütung:
Inbetriebnahme Gebäude/Lärmschutzwände sonstige Anlangen bis 100 kW
  bis 10 kW bis 40 kW bis 100 kW  
ab 01.02.22 6,73 6,53 5,11 4,60
ab 01.03.22 6,63 6,44 5,03 4,53
ab 01.04.22 6,53 6,34 4,96 4,46

Die tatsächliche Vergütung ergibt sich anteilig aus den für die jeweiligen Anlagensegmente gültigen Vergütungen.

Beispiel: Die Einspeisevergütung für eine 80-kWp-Anlage mit Inbetriebnahme im April 2022 berechnet sich wie folgt:

(10 * 6,53 ct/kWh + 30 * 6,34 ct/kWh + 40 * 4,96 ct/kWh) / 80 = 5,67 ct/kWh

Marktprämienmodell

Bei Photovoltaikanlagen mit einer installierten Leistung über 100 kWp muss der Strom zunächst (in der Regel mit Hilfe eines Dienstleisters) an der Strombörse vermarktet werden. Die erzielten Erlöse werden anschließend über eine Marktprämie so weit aufgestockt, dass sich der jeweils gültige anzulegende Wert ergibt.

Marktprämie = Anzulegender Wert – Erlös aus dem Stromverkauf

Der anzulegende Wert enthält eine Managementprämie von 0,4 ct/kWh, um einen Teil der möglicherweise entstehenden Mehrkosten durch den Direktvermarkter zu kompensieren. Aus diesem Grund sind die Werte höher als bei der Einspeisevergütung. Letztlich erhält der Anlagenbetreiber also auch im Marktprämienmodell eine „feste“ Einspeisevergütung, nur, dass sich diese teilweise über die Strombörse finanziert und somit das EEG-Umlage-Konto weniger belastet. Auch hier ergibt sich die tatsächliche Vergütungshöhe anteilig aus den für die jeweiligen Anlagensegmente gültigen Vergütungen.

Anzulegende Werte in Cent/kWh – Marktprämienmodell:

Anzulegende Werte in Cent/kWh – Marktprämienmodell:
Inbetriebnahme Gebäude/Lärmschutzwände sonstige Anlangen bis 100 kW
  bis 10 kW bis 40 kW bis 100 kW  
ab 01.02.22 7,13 6,93 5,51 5,00
ab 01.03.22 7,03 6,84 5,43 4,93
ab 01.04.22 6,93 6,74 5,36 4,86

Die aktuell gültigen Fördersätze werden immer zum Ende eines laufenden Quartals auf der Seite der Bundesnetzagentur veröffentlicht.

KfW-Kredit Erneuerbare Energien - Standard

Über das KfW-Programm 270 „Erneuerbare Energien – Standard“ kann die Investition in eine Photovoltaikanlage mit Hilfe eines Kredits finanziert werden.

  • ab 1,03 % effektivem Jahreszins
  • für Anlagen zur Erzeugung von Strom und Wärme, für Netze und Speicher
  • für Photovoltaik, Wasser, Wind, Biogas etc.
  • für Privatpersonen, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen
  • bis zu 50 Mio. Euro pro Vorhaben
  • bis zu 100 % der Investitionskosten

Weitere Informationen sind auf der Webseite der KfW-Bank zu finden.

Zuschußförderung über das Landesprogramm progres.nrw

progres.nrw - „Klimaschutztechnik: Förderung von Beratungsleistungen zum Photovoltaikausbau“

Gefördert werden Beratungsleistungen zum Photovoltaikausbau. Kernpunkte der Förderung:

  • Für Unternehmen je nach Größe bis zu 70 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben
  • Förderhöchstgrenze 25.000 Euro pro Standort
  • Förderfähig sind Machbarkeitsstudien, Wirtschaftlichkeitsanalysen, Vorplanungsstudien und Voruntersuchungen der Statik und Standsicherheit für die Errichtung von Photovoltaikanlagen auf Gewerbeflächen, privaten Hochschulen, Forschungseinrichtungen und kommunalen Gebäuden.
  • Studien, Analysen und Gutachten sind durch qualifizierte externe Berater zu erstellen und müssen anbieterneutral und unabhängig sein.

Weitere Informationen

progres.nrw - Klimaschutztechnik: „Förderung von Photovoltaikanlagen außerhalb des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes“

Gefördert werden Freiflächen-Photovoltaikanlagen sowie Floating- und Agro-Photovoltaikanlagen, wenn diese keine EEG-Vergütung in Anspruch nehmen. Kernpunkte der Förderung:

  • Freiflächen-Photovoltaikanlagen: maximal 20 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben, maximale Förderung 500.000 Euro
  • Floating-Photovoltaikanlagen, Agro-Photovoltaikanlagen: maximal 25 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben, maximale Förderung 650.000 Euro
  • Förderfähig sind Anlagen ab 500 Kilowatt peak installierte Leistung, die während ihrer Nutzungsdauer keine Förderung nach dem EEG in Anspruch nehmen.
  • Der erzeugte Strom darf nicht zur Eigenversorgung genutzt werden.
  • Zuwendungsfähig sind die Ausgaben für die Photovoltaikmodule, Wechselrichter, Unterkonstruktion und Montage sowie Kabel und Netzanschluss.

Weitere Informationen

progres.nrw - Klimaschutztechnik: „Förderung von stationären elektrischen Batteriespeichern in Verbindung mit einer neu zu errichtenden Photovoltaikanlage“

Gefördert werden Batteriespeicher in Verbindung mit einer neu zu errichtenden Photovoltaikanlage. Kernpunkte der Förderung:

  • 100 Euro pro kWh Speicherkapazität
  • Förderhöchstgrenze 75.000 Euro pro Gebäude und Standort
  • Die angeschlossene PV-Anlage muss neu errichtet werden.
  • Das Verhältnis der PV-Anlagenleistung [kWp] zur Batteriespeicherkapazität [kWh] darf maximal 1:3 betragen.
  • Die Anzahl förderfähiger Batteriespeicher ist pro PV-Anlage und pro Standort auf ein System beschränkt.

Weitere Informationen

progres.nrw  - Emissionsarme Mobilität: „Förderung der Ladeinfrastruktur für die Elektrofahrzeuge“

Gefördert wird öffentliche und nicht öffentliche Ladeinfrastruktur. Kernpunkte der Förderung für Unternehmen (Stand 19.04.2022):

  • Pro Ladepunkt < 50 kW:
    • 1.500 EUR in Verbindung mit einer neu zu errichtenden EE-Anlage
    • 1.000 EUR  ohne neu zu errichtende EE-Anlage
  • Pro Ladepunkt ≥ 50 kW:
    • 250 EUR/kW mit neu zu errichtender EE-Anlage (mind. 0,2 kW EE-Leistung pro kW Ladeleistung)
    • 200 EUR/kW ohne neu zu errichtende EE-Anlage

Weitere Informationen

Betreibermodelle

Für die meisten Unternehmen werden der Betrieb einer Photovoltaikanlage und die Produktion von Solarstrom nicht zum Kerngeschäft gehören. Aus diesem Grund haben sich neben den „klassischen“ Betreibermodellen noch weitere entwickelt, die sich nach den Anforderungen des Unternehmens richten und sich in den Punkten Ressourcenbindung, Flexibilität, und Risiko unterscheiden können.

Volleinspeisung nach erfolgreicher Teilnahme an Ausschreibung

Das in der Vergangenheit gängigste Betreibermodell stellte die Volleinspeisung von lokal erzeugtem Solarstrom über das EEG dar. Durch die im Laufe der Jahre stark gesunkene Einspeisevergütung und den technologischen Fortschritt gibt es insbesondere für kleinere und mittelgroße Photovoltaikanlagen unter 750 kWp mittlerweile wirtschaftlich interessantere Geschäftsmodelle.

Stehen sehr große Dachflächen zur Verfügung und ist der lokale Stromverbrauch gering (z. B. bei Lagerhallen) kann die Volleinspeisung hingegen interessant sein. Für große Photovoltaikanlagen ab 750 kWp, die im Zuge des EEG gefördert werden sollen, sieht der Gesetzgeber die Teilnahme an einer EEG-Ausschreibung vor, die die Bundesnetzagentur mehrmals im Jahr durchführt. Hierbei wird der Anspruch auf eine Marktprämie durch ein Auktionsverfahren ermittelt. Geboten wird auf die Förderhöhe [ct/kWh], wobei die niedrigsten Gebote zuerst berücksichtigt werden, bis das Ausschreibungsvolumen (geregelt im EEG) erreicht ist. Die jeweilige Förderung entspricht dem individuellen Gebot (Gebotspreisverfahren "pay as bid"). Erhält der Bieter einen Zuschlag für die Förderung, muss der von der geförderten PV-Anlage produzierte Strom vollständig in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden, d. h. der Eigenverbrauch von selbst erzeugtem Strom ist nicht zulässig. Aufgrund der mit steigender Anlagenleistung sinkenden spezifischen Investitionskosten (bzw. Stromgestehungskosten) können große PV-Aufdachanlagen im Rahmen einer Ausschreibung ein wirtschaftlich interessantes Investitionsobjekt sein.

Für die im April 2022 durchzuführende Ausschreibung für PV-Dachanlagen ist ein Höchstwert der Gebote von 8,91 ct/kWh festgelegt.

Die Vermarktung des Stroms sowie die Organisation für die Ausschreibungsteilnahme können mit Hilfe von spezialisierten Dienstleistungsunternehmen erfolgen.

Weitere Informationen zum Thema Ausschreibung mit den Ergebnissen der letzten Ausschreibungsrunden sind auf der Webseite der Bundesnetzagentur zu finden.

Eigenverbrauch mit Überschusseinspeisung

Eines der wirtschaftlich attraktivsten Geschäftsmodelle für Gewerbe ist der Eigenverbrauch mit Überschusseinspeisung. Hierbei wird der erzeugte Solarstrom für die Deckung des lokalen Strombedarfs genutzt, womit die Strombezugskosten gesenkt werden können. Produziert die Anlage mehr Strom, wird er eingespeist und zu dem für den jeweilige PV-Anlage gültigen Fördersatz vergütet.

Das Unternehmen als Anlagenbetreiber kann den produzierten Strom nach Belieben nutzen, d. h. es sind auch der Einsatz von Batteriespeichern, die Ladung von Elektrofahrzeugen oder die Erzeugung von Wärme/Kälte möglich. Daher liegen die Eigenverbrauchsquoten im Gewerbe oftmals ohne weiteres Zutun bereits bei 50 bis 90 % (je nach Art des Gewerbes, Arbeitsweise und installierter Leistung). Zu beachten ist, dass auf den selbst verbrauchten und auch den gespeicherten Strom eine reduzierte EEG-Umlage abgeführt werden muss (40 % der aktuell gültigen EEG-Umlage). Die restlichen, sonst üblichen Stromkostenbestandteile (Entgelte, Abgaben, Steuern), fallen hingegen nicht an.

Hinweis: Eigenverbrauch liegt nur dann vor, wenn Stromerzeuger und Stromverbraucher die gleiche juristische Person sind, also Personenidentität aufweisen.

Sonstige Direktvermarktung ohne EEG-Förderung

Eine Photovoltaikanlage kann auch außerhalb des EEG-Förderregimes realisiert werden. Der Strom wird in diesem Fall in das öffentliche Stromnetz eingespeist und mit Hilfe eines Direktvermarkters an der Strombörse zum Marktpreis verkauft. Eine finanzielle Förderung in Form einer Einspeisevergütung oder Marktprämie gibt es jedoch nicht.

Dadurch, dass der Anlagenbetreiber keine Förderung erhält, besteht jedoch die Möglichkeit, sich für den eingespeisten Strom Herkunftsnachweise vom Umweltbundesamt ausstellen zu lassen, die auf dem Konto im Herkunftsnachweisregister gutgeschrieben werden.

Wird der Strom im Rahmen eines Stromliefervertrages über das öffentliche Stromnetz an einen Verbraucher geliefert (d. h. nicht in unmittelbarer Nähe über eine Direktleitung), so fallen alle Abgaben und Umlagen im Rahmen dieser Stromlieferung an. Trotz allem ist auch auf Anlagen der sonstigen Direktvermarktung das EEG anwendbar. Das betrifft beispielsweise den Einspeisevorrang und technische Anforderungen. Auch eine Kombination bzw. der Wechsel der Veräußerungsform sind möglich.

Mieterstrom

Unter Mieterstrom wird Solarstrom verstanden, welcher auf dem Dach eines Wohngebäudes produziert und ohne Netzdurchleitung an die Letztverbraucher im Gebäude oder Verbraucher im Quartier geliefert wird. Der Anlagenbetreiber erhält dazu für jede gelieferte Kilowattsunde Solarstrom einen sogenannten Mieterstromzuschlag.

Anzulegende Werte in Cent/kWh – Mieterstromzuschlag:

Anzulegende Werte in Cent/kWh – Mieterstromzuschlag
Inbetriebnahme Mieterstromzuschlag
  bis 10 kW bis 40 kW bis 100 kW
ab 01.02.22 3,16 2,93 1,97
ab 01.03.22 3,11 2,89 1,95
ab 01.04.22 3,07 2,85 1,92

 

Die aktuell gültigen Fördersätze werden immer zum Ende eines laufenden Quartals auf der Seite der Bundesnetzagentur veröffentlicht.

Mieterstom wird auch in Gebäuden mit einer teilweisen gewerblichen Nutzung gefördert, wenn mindestens 40 % der Gebäudefläche dem Wohnen dient.  Handelt es sich ausschließlich um gewerblich genutzte Flächen, die an mehrere Unternehmen vermietet werden (z. B. Bürogebäude mit Branchenmix), so ist oftmals von gewerblichem Mieterstrom die Rede. Das Messkonzept ähnelt dem des „klassischen“ Mieterstroms, das Geschäftsmodell hat hingegen große Überschneidungen zum Contracting. Bei der Solarstromlieferung von PV-Anlagen auf rein gewerblich genutzten Gebäuden wird kein Mieterstromzuschlag gewährt. Da die Stromerträge der PV-Anlage während der Geschäftszeiten am höchsten sind, können Unternehmen größere Solarstrommengen direkt verbrauchen und entsprechende Kosteneinsparungen realisieren.

Dachverpachtung

Mit der Dachverpachtung bietet sich für den Dacheigentümer die Möglichkeit, eine bisher nicht wirtschaftlich genutzte Fläche zu monetarisieren. Im Rahmen der Dachverpachtung wird es einem Investor ermöglicht, die Dachfläche zu mieten und darauf eine Photovoltaikanlage zu errichten. Die Dachpacht läuft in der Regel 25 Jahre mit der Option auf eine Verlängerung auf bis zu 35 Jahre. Der Investor wird dabei für diesen Zeitraum mit in das Grundbuch aufgenommen. Die Dachpacht kann als Einmalzahlung (diskontiert über die Laufzeit des Pachtvertrages) oder jährlich ausgezahlt werden. Alles Weitere (Installation, Wartung, Betrieb, Stromverteilung) liegt dann im Verantwortungsbereich des Investors.

Contracting

Das Contracting baut auf der Dachpacht auf. Möchten der Dacheigentümer oder das in dem Gebäude befindliche Unternehmen den Solarstrom vor Ort selbst nutzen, die PV-Anlage selbst aber nicht besitzen bzw. betreiben, kann mit dem Investor (Contractor) ein Stromliefervertrag abgeschlossen werden (Power Purchase Agreement, PPA, im Zuge des Contracting). Für den lokal erzeugten und lokal gelieferten bzw. verbrauchten Strom muss der Investor lediglich die volle EEG-Umlage abführen. Alle weiteren sonst üblichen Kostenbestandteile (Entgelte, Abgaben, Steuern) fallen weg. Der Strompreis für den über das Contracting bezogenen Strom ergibt sich somit aus den Kosten der Stromproduktion (Stromgestehungskosten), der Marge für den Contractor sowie der vollen EEG-Umlage. Zumeist kann der Solarstrom auf diese Weise 3 bis 5 ct/kWh günstiger angeboten werden als der Strom des jeweiligen Energieversorgers. Unternehmen müssen auf diese Weise kein eigenes Geld investieren, können aber dennoch vom günstigen Solarstrom profitieren. Zudem müssen auch für die restliche Vertragslaufzeit keine weiteren Ressourcen aufgebracht werden, da alle die PV-Anlage betreffenden Kosten (u. a. Versicherung und Wartung) und Pflichten in den Verantwortungsbereich des Investors fallen. Zu beachten sind jedoch die langen Bindungsfristen hinsichtlich des Stromliefervertrages und die Eintragung des Investors in das Grundbuch.

Anlagenpacht

Die Anlagenpacht geht noch einen Schritt weiter als die Modelle zuvor. Auch in diesem Betreibermodell verpachtet der Eigentümer dem Investor das Dach für den Bau einer Photovoltaikanlage. Anschließend verpachtet der Investor dem Dacheigentümer (oder dem im Gebäude befindlichen Unternehmen) die Anlage wieder zurück. Damit wird das Unternehmen zum Anlagenbetreiber – ohne jedoch Investor der Anlage zu sein – und profitiert auf diese Weise auch von der EEG-Umlage-Privilegierung. Statt der vollen EEG-Umlage müssen in diesem Fall nur 40 % der aktuell gültigen EEG-Umlage abgeführt werden (für Anlagen unter 30 kWp entfällt die EEG-Umlage für bis zu 30 MWh), wodurch sich der Einsparungseffekt im Vergleich zum Contracting vergrößert. Erlöse durch eine Überschusseinspeisung werden mit dem Investor verrechnet, wobei ein möglichst hoher Eigenverbrauchsanteil für beide Parteien die wirtschaftlich interessanteste Option ist.

Zudem kann mit dem Investor ein zusätzlicher Betriebs- und Wartungsvertrag abgeschlossen werden, um den betrieblichen Aufwand im Unternehmen zu reduzieren. Vorteil dieses Geschäftsmodells ist, dass sich der Einspareffekt durch die reduzierte EEG-Umlage vergrößert. Zudem muss das Unternehmen selbst keine Investition tätigen und trägt daher ein geringeres finanzielles Risiko. Zu beachten ist jedoch, dass Anlagenpachtverträge eine langfristige Bindung mit dem Investor mit sich bringen können (20 Jahre und mehr, inkl. Grundbucheintrag). Im Gegenzug gilt für diesen Zeitraum allerdings auch eine erhöhte Planungssicherheit, da die festen Preise der Anlagenpacht bei gleichzeitig niedrigeren Strombezugskosten eine geringere Abhängigkeit von Strompreisveränderungen mit sich bringen. Um flexibler auf interne Veränderungen im Unternehmen reagieren zu können, bieten Investoren nach einer gewissen Laufzeit (ca. 10 Jahre) ein Vorkaufsrecht für die PV-Anlage an, womit diese in das Eigentum des Unternehmens übergeht und die Pachtverträge vorzeitig beendet werden können.

Steuerliche Aspekte

Abschreibung

Steuerlich handelt es sich bei einer Aufdach-Photovoltaikanlagen um ein selbstständiges bewegliches Wirtschaftsgut bzw. eine Betriebsvorrichtung. Damit können die Anschaffungskosten über 20 Jahre linear abgeschrieben werden. Darüber hinaus stehen dem Unternehmen ggf. noch eine Sonderabschreibung bzw. ein Investitionsabzugsbetrag zu Verfügung. Aufgrund der Komplexität von Steuerfragen wird empfohlen, für die Umsetzung von Abschreibungen fachkundige Beratung einzuholen.

    Weitere Informationen zur steuerlichen Behandlung von Photovoltaikanlagen

Stromsteuer

Wird der Strom im räumlichen Zusammenhang (4,5 km Radius) vom Betreiber der Anlage selbst verbraucht oder von einem Betreiber im räumlichen Zusammenhang an einen Letztverbraucher geliefert, ist der so erzeugte Strom von der Stromsteuer befreit.

Diese Steuerbefreiung gilt für Strom aus erneuerbaren Energieträgern bis 2 Megawatt und kann beim Zoll beantragt werden. Anlagen kleiner 1 MW sind auch ohne Einzelerlaubnis befreit.

Beispielrechnungen

Rechenbeispiel Einzelhandel (PV)

Stromkosten:   

23.000 Euro pro Jahr

Stromverbraucher:

Büro, Server, Werkstatt

Dachfläche:

780 m2,

Anlagenleistung:

99,4 kWp

Anlagenertrag:

89.262 kWh pro Jahr

Inbetriebnahme:

2020

Gesamtkosten:

80.000 Euro

Ergebnis:

Eigenverbrauchsquote knapp 60 %
Halbierung der Stromkosten
Amortisation nach 7,5 Jahren

   

Rechenbeispiel Automobilzulieferer (PV + Batteriespeicher)

Stromkosten:   

80.000 Euro pro Jahr

Stromverbraucher:

u. a. elektrische Gabelstapler

Dachfläche:       

5.670 m2,

Anlagenleistung:

420 kWp

Anlagenertrag:

380.000 kWh/a

Inbetriebnahme:

2020

Batteriespeicher:

134 kWh nutzbarer Speicherkapazität mit Lastspitzenkappung

Gesamtkosten:

440.000 Euro

Förderung:

20.100 Euro (150 Euro x 134 kWh)
(progres.nrw - „Markteinführung: Batteriespeicher“)

Ergebnis:

Eigenverbrauchsquote mehr als 40 %
Ladung Gabelstapler nachts
Halbierung der Stromkosten
Amortisation nach ca. 11 Jahren